Grußwort
Frank Damsch – Bürgermeister Stadt Oberharz am Brocken

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger, liebe Vereinsmitglieder und Freunde der Kunst!

Kinder, wie die Zeit vergeht könnte man rufen.
Denn schon wieder naht das Festival.

Noch frisch in Erinnerung die Inszenierung „ Besuch der alten Dame“ oder Tanz der Spitzenklasse durch Wald und Feld, da kommen neue Gedanken an alte Stücke.

Diesmal sind es „ Die Räuber“.
Ach, die Räuber werden Sie sagen, ganz alter Tobak von 1782.
Die Thematik aber ist keineswegs alt und überholt.
Denn so alt und neu wie die Menschheitsgeschichte sind auch die Lieder von Neid, Missgunst, Gier und Geiz.
Und solange es Menschen gibt, werden die Gesänge darüber wohl auch nicht verklingen.
Deshalb ist es nötig, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf diese Unzulänglichkeiten des menschlichen Individuums hinzuweisen, auf das Besserung eintrete.
Denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und schließlich sind diese Gefühlsregungen mit Sündenstatus belegt.

Worum geht es? Franz bringt seinen Vater gegen den Bruder Karl auf. Karl gerät daraufhin in einen Strudel von Gewalt und Verbrechen. Dazwischen ist Amalia, Karls Braut, welche auch Bruder Franz gefällt. Am Ende sind die „Guten“ tot, der Intrigante ebenfalls und der Gerechte findet durch falsch verstandenen Ehrbegriff nicht die Kraft, das Richtige zu tun.

Parallelen zur Neuzeit werden offensichtlich.
Phrasen, von der Politik immer wieder wiederholt, oder das bewusste Aufbringen von Interessengruppen gegeneinander, kommen einem unweigerlich in den Sinn.

Schlussendlich wird einem die Ohnmacht der Allmächtigen bewusst, die nicht in der Lage sind, das offensichtlich Notwendige wie Steuergerechtigkeit, Vereinheitlichung des Bildungssystems, gewissenhafter Umgang mit der Natur usw. auf den Weg zu bringen.

Deswegen seit über zweihundert Jahren die künstlerische Auseinandersetzung mit den schlechten Eigenschaften, verbunden mit dem Wunsch, dass am Ende nicht alle tot sind.

In erster Linie bringt so ein Festival aber Freude, Staunen und Spannung.

Freude über das wahnsinnige Engagement der Mannschaft, die auch in diesem Jahr einen bunten Mix aus Schauspiel, Musik und Tanz für alle Generationen auf die Bühne bringt.

Staunen darüber, dass es in so wenigen Jahren gelungen ist, ein solches Fest der Künste zu etablieren, so viele Unterstützer und Sponsoren zu gewinnen und eine Kontinuität in der Arbeit an den Tag zu legen, die ihresgleichen sucht.

Spannung, wie die alten Stoffe neu umgesetzt werden und wie wohl die neuen Beiträge Eingang beim Publikum finden.

Ich wünsche Ihnen an dieser Stelle viel Freude bei THEATERNATUR 2016 und bedanke mich sehr bei allen Mitwirkenden und Unterstützern!

 

Frank Damsch
Bürgermeister der Stadt Oberharz am Brocken